Behandlung der Gonarthrose mit intraartikulären Zeel - Injektionen
Roman
Kruzycki, Chirurg
(Zeitungsartikel
vom April 2002)
Die
Arthrose ( also auch die
Gonarthrose) betrifft alle Teile eines jeden Gelenkes
1.
Knorpel:
der Knorpel verliert an Gleitfähigkeit, bekommt zum Teil eine ausgeprägte Auffaserungen an der Oberfläche, verliert an
Elastizität, löst sich zum Teil von der knöchernen Gelenkoberfläche ab, bildet
richtige Krater mit vollständiger Ablösung des Knorpels mit glatten
Knochenteilen ( sogenannte Knochenglatze) im Endstadium.
2.
Meniskus: der Meniskus verliert an Elastizität, wird
zum Teil eingequetscht, an dem freien Rand aufgefasert, gelegentlich sehr stark
bis zu einem sog. degenerativen Einriss; die Gelenkkapsel, die mit Membrana Synovialis ausgelegt
ist, wird zum Teil stark aufgefasert; die Fähigkeit, die Gelenkflüssigkeit entsprechender Menge zu bilden und zu große
Flüssigkeitsmengen wieder aufzunehmen lassen nach. Es entsteht eine chronische Synovialitis häufig mit einem chronischen Gelenkerguss
verbunden.
3.
Seitliche
Bänder: lassen in der Elastizität deutlich nach, die Beweglichkeit des
Kniegelenkes wird eingeschränkt, die Elastizität und somit Anpassungsfähigkeit
an unterschiedliche Belastungen (z.B. beim Sport) lassen deutlich nach.
Dieser
Zustand wird unterschiedlich schnell erreicht. Er wird beschleunigt durch eine
falsche Ernährung, falsche Belastung (zu intensive Belastung während der Arbeit
bzw. auch beim Sport), letztlich durch familiäre Veranlagung.
Eher
wir mit einer intraartikulären Behandlung mit Zeel
anfangen, klären wir die Patienten über die verfügbare Möglichkeiten der
Therapie als auch über die Wirkungen des homöopathischen Medikamentes.
Es
werden immer die Alternativen genannt:
Ad
1. – die orale Medikation mit den verschiedenen Mittel ist meistens bereits
ausgeschöpft, oder bereits ausprobiert. Dazu kommen natürlich die bekannten
Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Blutbildungsstörungen;
Ad
2. – die meisten Mittel zu lokaler Anwendung haben sehr schwachen
Therapiepotenzial und bringen, wenn überhaupt, und kurzfristige Besserung;
Ad
3. – bei den intraartikulären Injektionen darf Cortison – das stärkste
entzündungshemmende Mittel – nicht fehlen. Dabei muss auch erwähnt werden, dass
die Cortisonwirkung die Schutzmechanismen des Körpers stoppt und erst auf diese
Weise die Entzündungsreaktion reduziert. Es ist gleichzeitig aber auch das
Stärkste abschwellende Mittel überhaupt – somit bei Schwellungen und Ergüssen
in den Gelenkes ist die Cortisonbehandlung unausweichlich.
Cortison
ist auch das „kassenübliche Mittel“, was soviel bedeutet, dass die Behandlung
mit Cortisoninjektionen (z.B. intraartikulär) heutzutage noch von der
Krankenkasse bezahlt wird. Unsere Aufgabe liegt daran die potenzielle Patienten
über die Nebenwirkungen des Cortison zu informieren und vor der Behandlung
damit abzuhalten!
Denken Sie daran dass bereits
einmalige Dosis von Cortison:
-
eine
lebenslange Zuckerkrankheit auslösen kann,
-
die
Schilddrüsenfunktion stört,
-
hormonelle
Funktion anderen Organen stört (Hypophyse, Eierstöcke),
-
der
bisher gut eingestellte Hochblutdruck kann deutlich ansteigen,
-
seltener
abfallen,
-
es
entsteht Unruhezustand, mit Schlafstörungen
-
Flush am Gesicht,
-
Unwohlzustand
und, um sie nicht zu vergessen, viele andere Nebenwirkungen.
Ad
4. – bei der Arthroskopie in Falle einer Arthrose
wird sicher ein pathologischer Befund festgestellt. Es muss aber auch bei einem
OP Wunsch über die Probleme für die Gesundheit (wie z.B. Thrombose) als auch
organisatorischen Natur (ambulante Arthroskopie nur
für die privaten Patienten, die Kassenpatienten müssen an die
Zahlen/Abrechnungen des Krankenhauses bzw. der Praxis glauben – bekannt aber
selten besprochen). Während eine Meniskusoperation einen sofortigen Erfolg
bringen kann, ist eine „Knorpelglättung“, Teilresektion der Auffaserungen,
Bohrungen (z.B. Pridie) nimmt eher nur eine
Hilfestellung – die Wirkungen bei Arthrose können verschieden ausfallen von
einer Besserung bis zu deutlicher Verschlechterung der Beschwerden.
Implantation
einer Prothese ist eine Bereicherung der Behandlung – es werden die
Auswirkungen der Arthrose auf die Gelenkflächen beseitigt (Entfernung sowohl der
Knorpel- und Meniskusreste als auch der knöchernen Gelenkflächen und
Abriebresten) und mit künstlichen Teilen ersetzt. Es gibt mittlerweile eine
ganze
Reihe
der Prothesen mit deren positiven und negativen Seiten. Eins habe sie alle
gemeinsam – ein künstliches Gelenk ist nur bedingt vollbelastbar (z.B. beim
Sport), nur mäßig stabil (das vordere Kreuzband wird meistens entfernt) und vor
allem – das Einsetzen der Prothese ist mit einer mittelgroßen Operation
verbunden, was nicht in jeder Lebenslage durchführbar ist.
Ad
5. – die Knorpelzellverpflanzung gehört zu neueren Verfahren der
Knieoperationen. Es werden Teile des Knorpels außerhalb der Belastungszone
entnommen und in Form einer Mosaikplastik in der Belastungszone eingesetzt. Die
neuerdings bestehende Möglichkeit der Eigenknorpelzüchtung ist zwar vom Prinzip
her viel bessere Variante, um soviel jedoch teurer und zur Zeit (Mitte 2001)
nur wenigen von uns zugänglich. Diese Art von Operationen haben wieder eines
gemeinsam – sie eignen sich hervorragend zu Versorgung jüngerer Menschen, die
Arthrose betrifft hauptsächlich Menschen jenseits 50, und die Verpflanzung
spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Die
Aufklärung der Patienten vor der Behandlung wird sehr ausgedehnt durchgeführt
mit plastischen Modellen und Aufzeichnungen. Bei Interesse an der
intraartikulären Behandlung wird noch auf ein nicht unerheblicher Punkt
aufmerksam gemacht – die Reihenfolge der Behandlung ist nicht unwichtig :
-
es wird
empfohlen mit Homöopathie (Zeel) anzufangen,
-
Hyalate können z.B. an zweiter Stelle stehen
und
-
danach
erst Cortison.
Bei
fehlender Wirkung vom homöpathischen Mittel (Zeel, Traumeel) kann immer auf
ein anderes Präparat umgestiegen werden – die andere Richtung ist
ausgeschlossen – die Wirkung der Medikamente wird möglicherweise aufgehoben
oder zumindest eingeschränkt – wie wir
wissen hemmt Cortison die Homöopathie am stärksten.
Kontraindikationen
Die
einzige echte Kontraindikation dieser Therapie ist die der Kniepunktion - also
Einnahme von Antikoagulantien und zwar Phenprocoumon
(Marcumar) in therapeutischer Dosis. Eine
Niereninsuffizienz, auch Dialysepflicht ist keine Kontraindikation! Es ist
sogar die einzige Alternative (von OP abgesehen) da alle sonstigen
Behandlungsformen für die Dialyse eine erhebliche Belastung bedeuten bzw. wie
z.B. Cortison an sich kontraindiziert sind.
Wir
behandeln die Patienten mit Kniegelenksbeschwerden mit Zeel
und Traumeel intraartikulär. Nach entsprechender
Vorbereitung, die das Abwaschen (jeweils zumindest 3 Minuten mit einer
Desinfektionslösung, z.B. Kodan gefärbt) und Abdecken
mit einem sterilen Lochtuch beinhaltet (Standardvorbereitung für alle kleinen
Eingriffe am Kniegelenk in unserer Praxis), wird eine Kniegelenkspunktion aus
dem lateralen Zugang nach leichtem Verschieben der Kniescheibe nach lateral-kranial durchgeführt. Das Verschieben der
Kniescheibe bezweckt einen Kulissenstich während der Punktion des Kniegelenkes.
Eine
Ampulle Zeel comp.(2,2 ml)
und Traumeel (2 ml) wird mit einer 1% Lösung Procain aufgelöst (ca. 9 ml). Der Gelenkerguss wird
abpunktiert und die Menge bestimmt. Bei verdächtigem Erguss wird eine
bakteriologische Untersuchung eingeleitet und auf die Injektion ggf.
verzichtet.
Es
wird in der Regel 1 Behandlung pro Woche, in Ausnahmefällen 2 pro Woche
durchgeführt. In einer Serie sind 5 nacheinanderfolgende Injektionen
beinhaltet. Falls nötig folgt eine 2 Serie nach einer Pause von 2 bis 6
Monaten. Erfahrungsgemäß erreicht man bereits nach 3 bis 5 Injektionen (1.
Serie) deutliche Besserung der Beschwerden. Weiteres Spritzen sehen wir als
nicht mehr zweckmäßig, da die Veränderungen des Wohlbefindens nur seltener und
in eingeschränktem Maße auftreten.
Zeel comp. + Traumeel + 1% Procain
intraartikulär
1. Serie – 5 Injektionen 1xWoche
Pause ca. 2 – 6 Monate
2. Serie – weitere 5 Injektionen
1xWoche
Im
Zeitraum vom 1.04.00 bis zum 1.04.01 wurden 67 Patienten mit Zeel intraartikulär behandelt: 53 Frauen und 14 Männer; 76
Kniegelenke; durchschnittliches Alter der Patienten betrug 66 Jahre (20 – 94).
Davon rechts - 42
In
der untersuchten Gruppe 11 Patienten wurden bereits vorbehandelt:
Unseren
Unterlagen nach in der Beobachtungszeit führte man nur 3 mal Arthroskopie wegen weiterhin anhaltenden Schmerzen in
Anschluss an die Behandlung mit Zeel durch.
Gros
der behandelnden Personen stellte sich wegen einer Gonarthrose (67 mal) bei uns
vor (davon sog. beginnende Gonarthrose 8 mal), gefolgt von den unklaren
Kniegelenkbeschwerden, wobei eine Meniskusbeteiligung wurde durch eine
vorherige sorgfältige Untersuchung ausgeschlossen – V.a. Kniebinnenschäden (7
mal), Kniegelenksbeschwerden nach Meniskektomie (1
mal) und Distorsion des Kniegelenkes (1 mal).
Gonarthrose - 59
Beginnende
Gonarthrose - 8
V.a. Kniebinnenschäden - 7
Nach Meniskektomie - 1
Distorsion - 1
In
den bei den betroffenen Personen angetroffenen Befunden wurde in 25 Fällen eine
Schwellung des Kniegelenkes, 6 mal Erguss und 11 mal diskrete Meniskuszeichen
festgestellt.
Es
wurde in 34 Fällen das li. Kniegelenk betroffen, in
20 Fällen das re. Knie und in 11 Fällen beide
Kniegelenke.
Die
Akzeptanz dieser Behandlung war sehr groß – nur in Ausnahmefällen entschied man
sich primär, wegen der zusätzliche Kosten, zu einer Cortisonbehandlung (2 mal).
Einmalig
bei fehlender Wirkung stellten wir selbst die Behandlung auf Cortison um – der
Grund der Behandlung waren weniger Schmerzen, die die
Gonarthrose begleiten sondern die Ergussbildung nach Meniskektomie
und Synovektomie
Abschluss:
Die
Erfolge der Behandlung mit Zeel P intraarticulär
sind offensichtlich und finden bei immer größeren Anzahl von Patienten volle
Akzeptanz. Inzwischen wurden weitere zahlreiche Patienten auf diese Weise mit
Erfolg behandelt.
Die
Bewertung der Behandlung erfolgte auf Basis der Befragung der Patienten ob
während weiteren Behandlungen oder auch telefonisch nach Ablauf von zumindest 9
Monaten. Von den 67 Patienten konnten wir 59 befragen (88%). Die Bewertung
wurde auf 4 Stufen, der Schulskala ähnlich, eingeschränkt:
sehr gut - 31 (52,5%)
gut - 15 (25,4%)
zufriedenstellend - 9 (15,3%)
nicht ausreichend - 4 (6,8%)
Mittlerweile
wurden es weitere zahlreiche Patienten mit Hilfe dieser Methode behandelt,
überwiegend mit positiven Rückmeldungen. Diese Art der Therapie wurde zu
etablierter Form der Behandlung in unserer Praxis.
Kontaktadresse:
Chirurgische
Praxis Roman Kruzycki
Königsberger
Str. 66
58256
Ennepetal